Ein Tag im Leben eines Sportfotografen


Immer wieder bekomme ich zu hören, was für ein cooler Job es doch ist, bei Sportveranstaltungen Fotos zu machen. Oftmals wird einfach das sehr schöne Hobby Fotografie mit der Tätigkeit eines Presse- oder Sportfotografen assoziiert. Dass wir aber einfach einen Job machen, wird oft verkannt. Natürlich kommen wir den Stars zweifelsohne sehr nah und sehen Spiele aus Perspektiven, die den „normalen“ Stadionbesuchern verwehrt bleiben, doch wer denkt andererseits beispielsweise schon daran, dass wir unter allen erdenklichen Umständen Bilder liefern müssen, während der Hobbyfotograf sein Equipment einfach einpacken kann, wenn er keine Lust mehr hat oder die äußeren Bedingungen zu schlecht oder zu unangenehm werden. Wir hingegen müssen bei jedem Wetter und allen Arbeitsbedingungen ausharren und dabei versuchen genau die Fotos zu schießen, die am Ende kein anderer Fotograf hat.

Wie also läuft eigentlich so ein Spieltag aus Sicht eines professionellen Sportfotografen ab? Allen, die sich diese Frage schon einmal gestellt haben, sei die Lektüre des nachfolgenden Textes empfohlen, in dem ich einmal versuche, einen Bundesligaspieltag aus meiner Sicht zu beschreiben.

Natürlich fotografiere ich auch andere Sportarten und auch andere Ligen, aber zum einen ist die Fußball-Bundesliga natürlich extrem populär und zum anderen läuft es in den meisten Sportarten sehr ähnlich ab und es würde nur ein heilloses Durcheinander geben, wenn ich alles vermischen würde. Zusätzlich sei noch erwähnt, dass natürlich jeder Kollege so seine eigenen Abläufe hat, die sich an diversen Stellen von meinen zum Teil erheblich unterscheiden können.

Mit dem Fotoauftrag beginnt eigentlich schon die Vorbereitung. Bei mir ist es so, dass ich in der Regel per Redaktionsauftrag mit dem Fotografieren des Spiels beauftragt werde. Die Bildagentur, für die ich das mache, übernimmt dann auch das Akkreditieren für mich. Hierfür gibt es von der DFL ein einheitliches Formular, dass gemeinsam mit dem Redaktionsauftrag und einem Scan meines Presseausweises spätestens am Montag vor dem Spiel an den jeweiligen Heimverein geschickt wird. Von dort bekomme ich dann eine Rückmeldung, ob mein Antrag berücksichtigt wurde und wo ich am Spieltag meine hinterlegte Arbeitskarte abholen kann. Der Parkausweis, mit dem man auf den Presseparkplatz gelangt, kommt meist der Post oder wird irgendwo zur Abholung hinterlegt.

In den Tagen vor dem Spiel ist dann viel Lesen angesagt. Natürlich wäre es peinlich, wenn beispielsweise Stürmer X sein erstes Spiel nach einer langen Verletzung macht, und man nicht ein Foto von ihm hat, weil man das nicht wusste. Informationen sind also ganz wichtig, auch für uns Fotografen - in der Basketball-Bundesliga bekommen wir beispielsweise in jeder Pause auch die jeweilige Statistik des vorherigen Viertels und können so gezielt den Top-Scorer eines Teams heraussuchen. Zu guter Letzt muss man sich natürlich noch überlegen, wann man am Spieltag losfahren muss, um pünktlich am Spielort zu sein, denn manchmal hat man hunderte Kilometer vor sich und so ein Navi weiß nicht, dass es auf der A 7 bei Schwarmstedt eigentlich praktisch immer etwas langsamer vorangeht, als gedacht, dass man in Richtung Münster eigentlich immer irgendwo kurzeitig auf der A 1 festhängt oder, dass die Parkplatzsuche am Millerntor während des Hamburger Doms eine kleine Ewigkeit dauern kann.

Wie früh ich im Stadion ankommen möchte, richtet sich in erster Linie nach dem Spiel, das ansteht. Während ich in der Frauen-Bundesliga oder beim Handball in etwa eine Stunde vor Spielbeginn vor Ort bin, halte ich es in der Männer-Bundesliga etwas großzügiger und versuche, gute zwei Stunden vor dem Spiel im Stadion zu sein - bei den sogenannten Hochrisikospielen sogar noch etwas eher. Warum so früh? Die Straßen rund um das Stadion sind zur dieser Zeit noch relativ frei (in Bremen oder Mönchengladbach ist sowas Gold wert) und auch das Ordnungspersonal ist noch recht entspannt, wenn das Stadion leer ist. Zudem habe ich deutlich mehr Technik im Schlepptau, wenn ich in der Bundesliga fotografiere, denn dort setze ich zum Teil auch eine funkgesteuerte Hintertorkamera ein, während ich bei anderen Fußballspielen in der Regel nur zwei Kameras „am Mann“ im Einsatz habe, und die Remote-Kamera eher selten zum Einsatz kommt.

Wenn die Technik steht, bleibt noch Zeit für eine kleine Stärkung im Presseraum. Ich schätze die Verpflegung für die Medienvertreter immer sehr, denn oftmals hat man ja eine mehrstündige Anreise hinter sich und freut sich dann über eine Kleinigkeit zu Beißen, bevor es ins Spiel geht. Knapp eine Stunde vor dem Spiel gibt es schließlich die offiziellen Mannschaftsaufstellungen. Diese gleiche ich auf dem Laptop mit meinen zuhause bereits vorbereiteten Kadern ab. Das ist wichtig, um die Bilder später richtig und sinnvoll beschriften zu können, doch dazu später mehr.

Sind der Abgleich und gegebenenfalls nötige Korrekturen erledigt, begebe ich mich allmählich in den Innenraum des Stadions, was unter Umständen je nach Stadion auch nochmal einen Weg von fünf bis zehn Minuten bedeuten kann, wenn man beispielsweise in Wolfsburg mal wieder eine gefühlte Ewigkeit auf den Fahrstuhl warten muss, auf dem Südumlauf des Bremer Weser-Stadions bereits reger Publikumsverkehr herrscht oder man in Offenbach gegen den Besucherstrom ankämpfen muss, der sich genau entgegengesetzt bewegt. Nicht überall sind die Wege der Fotografen und Zuschauer so gut getrennt, wie beispielsweise in der Münchner Arena und nicht immer liegt der Arbeitsraum so nah am Spielfeld, wie in Hannover.

Vor dem Spiel entstehen dann bereits die ersten Fotos, die man so kennt. Trainer und Manager im TV-Interview, die Sky-Experten, die ihren Senf zum Spiel dazugeben, Fans, die besondere Plakate hochhalten, Trainer die nachdenklich über das Spielfeld schleichen und so weiter und so fort. Alles das hat man vor dem Spiel bereits fertig und vielleicht sogar auch schon verschickt. Auch dazu später mehr.

Wer glaubt, dass mit dem Anpfiff etwas Ruhe einkehrt, der hat sich getäuscht. Jeder Fotograf versucht nun die besten Szenen zu erwischen und auch schnellstmöglich zu verschicken, denn wenn eine Redaktion erst einmal ein Bild geladen und ins Layout eingebaut hat, wird sie dieses in der Regel später nicht mehr gegen ein schöneres Foto austauschen. Ich persönlich halte es meist so, dass ich in jeder Halbzeit nach rund fünfundzwanzig Minuten ein paar erste Fotos fertig mache und verschicke, dann den Rest der Halbzeit wieder fotografiere und in der Pause beziehungsweise nach dem Abpfiff weitere Bilder auf den Weg bringe. Bei diesen „Live-Bildern“ beschränke ich mich in der Regel auf Zweikämpfe, Verletzungen, Jubelszenen und sonstige aussagekräftige Situationen. Für eher statische Motive, wie beispielsweise Fans oder zig Einzelbilder eines Spielers, ist dann keine Zeit (und es besteht in dem Moment auch kein Bedarf an solchen Fotos), die wandern erst nach dem Spiel ins Archiv. Besonders schnell muss es gehen, wenn ein Tor fällt. Dann müssen die dazugehörigen Jubelbilder schnell raus, denn womöglich bleibt dies ja das einzige und somit entscheidende Tor im Spiel. Oft ist es mir allerdings auch schon passiert, dass ich gerade dabei bin, die Bilder für den Upload fertig zu machen, als auf der Gegenseite auch schon der Ausgleich fällt - das ist dann Pech.

Die Frage, was wir in der Halbzeit machen ist also somit auch geklärt. Während der Stadionbesucher sich mit Bratwurst und Bier für den zweiten Durchgang stärkt, bearbeiten und verschicken wir die Bilder. Hierauf gehe ich an dieser Stelle einmal etwas genauer ein. Die Bilder werden zunächst von den Speicherkarten (insgesamt sind vier Stück im Einsatz - zwei je Kamera) auf den Laptop überspielt. Auch die Speicherkarte in der Hintertorkamera wird dann schnell ausgetauscht. Während des Spiels selbst kommt man an die Kamera nämlich nicht heran. Darum hofft man immer, dass sie nicht schon in Minute eins umgeschossen wird, was durchaus schonmal vorkommen kann. Die überspielten Fotos werden dann mit einer Bildbearbeitungs- und Verwaltungssoftware schnell überarbeitet. Ich nutze hierfür das unter Fotografen sehr beliebte Programm Photoshop Lightroom von Adobe. Schnell ist hier das entscheidende Stichwort. Viel mehr als Zuschneiden, Geraderichten und vielleicht etwas Nachschärfen und Entrauschen ist zeitlich einfach nicht drin, zumal die meisten Bilder von den Zeitungen ohnehin für den Druck noch technisch aufbereitet werden. Da die Werte in Sachen Schärfen, Entrauschen und Maskieren sich bei allen Fotos sehr ähnlich sind, wende ich einfach bereits beim Import feste Werte auf alle Fotos an, das beschleunigt die Sache ungemein.

Das fertig bearbeitete Bild muss ich nun noch beschriften. Jedes Foto hat so genannte Metadaten, in die der Fotograf unter anderem auch einen Text eintragen kann, damit der Bildredakteur auch weiß, was er denn nun auf dem Foto sieht. Dort notiere ich dann beispielsweise so etwas wie „v.li.: Max Mustermann (1. FC Musterdorf, 9) im Zweikampf mit Karl Knickebein (SV Jedestadt, 13)“. Damit ich das alles nicht jedes Mal von Hand eingeben muss, habe ich ein kleines Programm, dass Tastaturkürzel verwendet, um daraus Texte zu erstellen. Max Mustermann trägt beispielsweise die Rückennummer 9 und bekommt so das Kürzel m09 (m für Musterdorf) verpasst. Karl Knickebein, der mit der Nummer 13 spielt, wird so zu j13. Zudem gibt es gewisse Formulierungen, die man in einem Fußballspiel immer wieder braucht. So brauche ich für den Textteil „im Zweikampf mit“ beispielsweise nur #2 eingeben. Der Beispieltext von oben wird also aus der Eingabe „m09 #2 j13“ erstellt. Das spart enorm viel Zeit und vermindert Schreibfehler, gerade bei komplizierten oder langen Spielernamen.

Die fertig bearbeiteten und beschrifteten Bilder gehen direkt per FTP-Upload auf den Server eines Verteildienstes, der die Bilder vereinfacht gesagt an mehrere potentielle Abnehmer verteilt und sie zudem auch ins Archiv der eigenen Bildagentur lädt. In der Regel sind bis zur Halbzeit auf diesem Weg ca. 15-20 Bilder auf den Server gewandert, etwa die gleiche Anzahl folgt im Laufe beziehungsweise direkt nach der zweiten Halbzeit. Wenn ich dann knapp zwei Stunden nach Abpfiff das Stadion verlassen habe, sind alle wichtigen Bilder bereits hochgeladen - die Straßen sind dann übrigens auch schon wieder einigermaßen frei. Zuhause schaue ich die Bilder dann noch ein Mal komplett etwas genauer durch und kümmere mich um die sogenannten Nachdreher. Auf diese Weise wandern dann nochmal rund 20-30 Bilder ins Web, die für die Tagespresse zwar nicht so interessant sind, aber später nochmal gebraucht werden könnten. Dies sind dann Einzelfotos von Spielern, jubelnde Fans oder ähnliche Motive.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Fußballspiel auch aus Fotografensicht nicht bloß 90 Minuten dauert. Die An- und Abfahrt nicht mitgerechnet, dauert so ein Bundesligaspieltag auch für uns sechs bis sieben Stunden und ich werde immer wieder belächelt, wenn ich auf die Frage, wie denn das Spiel war, manchmal nur antworten kann „Keine Ahnung, ich habe Fotos gemacht“.

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